
Gen-Z zwischen Bequemlichkeit und Selbstoptimierung
Vor wenigen Jahren stand ich noch auf Bodybuilding-Bühnen. Dieses Jahr durfte ich beim Ludwig-Erhard-Gipfel | Tegernsee Summit 2026 die Perspektive meiner Generation auf die Bühne bringen. Wenn man nur die Bilder betrachtet, sieht das vielleicht nach einer Erfolgsgeschichte aus. Und ja, ich war erfolgreich und würde diese Erfahrung nicht missen wollen. Für mich ist es aber vor allem eine Geschichte darüber, zu sich selbst zurückzufinden. Grenzen auszutesten, über sich hinauszuwachsen und dabei gleichzeitig zu lernen, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören.Denn am Ende ist unser Körper das einzige Zuhause, das uns ein Leben lang begleitet.
Genau deshalb mache ich heute Content im Gesundheitsbereich. Nicht, um Menschen zu sagen, was sie essen oder wie sie trainieren sollen. Sondern um Menschen zum Nachdenken zu bringen. Zu inspirieren. Zu motivieren. Und manchmal auch bewusst etwas zu triggern. Denn wir leben in einer Zeit voller Widersprüche. Auf der einen Seite wird uns das Leben immer leichter gemacht. Wir bewegen uns weniger, verbringen mehr Zeit vor Bildschirmen und können nahezu alles per Knopfdruck erledigen. Bequemlichkeit ist längst Teil unseres Alltags geworden. Und ehrlich gesagt ist das nicht einmal unsere Schuld. Unsere Umwelt ist darauf ausgelegt, uns möglichst wenig Anstrengung abzuverlangen. Auf der anderen Seite erleben wir einen regelrechten Optimierungswahn. Noch fitter. Noch schlanker. Noch produktiver. Hier ein Marathon, dort ein Ultramarathon. Noch mehr Disziplin, Leistung und Selbstoptimierung. Immer mit der Frage: Was kann ich noch tun, um herauszustechen?
Beide Extreme haben eines gemeinsam: Sie entfernen uns von uns selbst. Wir haben verlernt, auf unsere Intuition zu hören. Wir treffen Entscheidungen zunehmend danach, wie etwas nach außen aussieht, statt danach, wie es sich anfühlt.
Wie sieht mein Körper aus?
Wie wirke ich auf andere?
Wie erfolgreich erscheine ich?
Wie produktiv bin ich?
Aber wie oft fragen wir uns:
Wie geht es mir eigentlich wirklich?
Ich kenne diese Denkweise nur zu gut. Denn auch ich habe lange geglaubt, mein Wert würde davon abhängen, wie viel ich leiste. Wie diszipliniert ich bin. Wie produktiv ich bin. Wie viel ich schaffe. Leistung und Erfolg waren für mich Bestätigung. Nach außen sah vieles genau so aus, wie man es sich wünscht: ehrgeizig, sportlich, zielstrebig. Doch hinter den Kulissen zahlte mein Körper den Preis dafür. Meine Periode blieb aus. Ich war ständig erschöpft. Chronische Halsschmerzen gehörten zu meinem Alltag. Obwohl ich vermeintlich alles „richtig“ machte, fühlte ich mich immer weiter von mir selbst entfernt.
Heute weiß ich: Gesundheit ist mehr als Training, Ernährung oder die nächste Bestleistung. Gesundheit ist die Beziehung zu uns selbst. Genau deshalb spreche ich in meinen Inhalten über Themen, die oft untergehen. Über Frauengesundheit. Über Nervensystem-Regulation. Über Selbstbewusstsein. Über Body Dysmorphia. Über die Beziehung zum eigenen Körper. Und darüber, wie wir lernen können, wieder Vertrauen in uns selbst aufzubauen. Deshalb geht es bei meiner Arbeit heute um so viel mehr als Fitness und Performance.
Ja, ich spreche über Ernährung.
Ja, ich spreche über Sport.
Ja, ich spreche über Leistung.
Denn auch das gehört zu einem gesunden und erfüllten Leben. Doch der Grat ist schmal. Zwischen dem ständigen Mehr und dem kompletten Vermeiden von Belastung. Zwischen Selbstoptimierung und Selbstfürsorge. Denn Wachstum entsteht nicht nur durch Belastung, sondern auch durch Regeneration und Regulation. Gesundheit bedeutet nicht, sich permanent zu schonen. Aber auch nicht, den eigenen Körper ständig an seine Grenzen zu treiben. Es geht darum, zu lernen, wann Herausforderung notwendig ist und wann Erholung.
Deshalb interessiert mich nicht nur, wie viel wir leisten können, sondern auch, zu welchem Preis. Die viel spannendere Frage ist doch: Was braucht ein Mensch, um langfristig gesund, leistungsfähig und erfüllt zu sein?
Vor Kurzem durfte ich genau darüber auch beim Ludwig-Erhard-Gipfel sprechen. Während auf den Bühnen viel über künstliche Intelligenz, Prozesse, Innovation und Systemoptimierung diskutiert wurde, stellte sich mir immer wieder dieselbe Frage: Wie geht es den Menschen darin eigentlich?
Denn kein System funktioniert langfristig, wenn die Menschen darin erschöpft, überfordert oder gesundheitlich belastet sind. Gesundheit ist kein Trend. Sie ist kein „Nice-to-have“. Sie ist die Grundlage für alles. Für Leistungsfähigkeit. Für Lebensqualität. Für Entwicklung. Für Selbstbestimmung.
Denn am Ende findet unser gesamtes Leben in diesem einen Körper statt. Die Frage ist also nicht, wie viel mehr wir noch leisten können. Sondern wie wir gesund genug bleiben, um das Leben, das wir uns aufbauen, auch wirklich erleben zu können.
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