Editorial No.15

Die Titelstory diesmal handelt von Jette Schreiber. Ihre sportlichen Erfahrungen sammelte sie im russischen Ballett und beim Feldhockey – mit hoher physischer Belastung und Leistungsdruck. Aus dieser Motivation heraus gründet sie gemeinsam mit ihrem Co-Founder Niklas Hinz ein Start-up, das sich auf die datenbasierte Prävention von Langzeit-Hirnschäden im Sport konzentriert. Emotionen spielen im Gesundheitswesen eine größere Rolle, als häufig angenommen wird. Oft wird davon ausgegangen, dass Menschen Entscheidungen rational treffen: Sie vergleichen Informationen, Risiken und Nutzen und wählen die logisch beste Option. In der Realität sieht das jedoch anders aus. Gerade wenn es um Gesundheit oder Krankheit geht, werden Entscheidungen stark von Emotionen geprägt. Angst, Hoffnung, Vertrauen oder Unsicherheit beeinflussen das Denken und Handeln von Patienten ebenso wie das von Akteuren im Gesundheitswesen. Wird jemand mit einer Diagnose konfrontiert, reagiert er meist zunächst emotional. Eine mögliche Krankheit kann Angst auslösen, selbst wenn das Risiko statistisch gering ist. Umgekehrt kann Hoffnung entstehen, wenn eine neue Behandlungsmethode in Aussicht steht. Hinzu kommt, dass Digital Health für viele Menschen komplex und schwer verständlich ist. Studien, Wahrscheinlichkeiten oder medizinische Begriffe lassen sich nicht immer leicht in den Alltag übertragen. Deshalb orientieren sich viele Menschen stärker an emotionalen Faktoren – etwa am Vertrauen in Ärztinnen, Ärzte oder Pflegefachkräfte, an Erfahrungsberichten oder am eigenen Bauchgefühl. Auch das soziale Umfeld spielt eine Rolle. Familie, Partner oder Freunde beeinflussen Entscheidungen, indem sie Sorgen äußern, Mut zusprechen oder bestimmte Behandlungen unterstützen.

All das zeigt: Entscheidungen im Gesundheitswesen beruhen nicht allein auf rationalen Überlegungen. Emotionen sind ein zentraler Bestandteil menschlicher Entscheidungsprozesse. Ein Gesundheitssystem, das wissenschaftliche Erkenntnisse mit den emotionalen Bedürfnissen der Menschen verbindet, kann bessere Entscheidungen ermöglichen und langfristig Vertrauen sowie Therapieerfolge fördern. Und genau darum geht es in diesem Magazin.

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