
Beeinflussen unsere Gefühle und unser Mindset, wie wir altern?
Wir alle wünschen uns Gesundheit und Vitalität bis ins hohe Alter. Dafür braucht es Körper, Geist und Seele. Dass wir gesunde Langlebigkeit über eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, erholsamen Schlaf und das Vermeiden von Umweltgiften fördern können, ist vielen vertraut. Was wir häufig übersehen, ist das Potential unserer Gedanken und Gefühle: Wir unterschätzen, welche Kraft eine positive – vor allem angstfreie – Einstellung zum Altern auf seelischer und körperlicher Ebene entfalten kann.
Auch wenn noch nicht alle Fragen dieses fein justierten Zusammenspiels geklärt sind, verstehen wir die Interaktion zwischen unserem Mindset, unserer emotionalen Ausrichtung und unserer körperlichen Verfassung immer besser – nicht zuletzt dank wertvoller Erkenntnisse aus der Stressforschung, Mind-Body-Medicine und Psychoneuroimmunologie.
Innere Sicherheit statt Angst
Fakt ist: Wenn wir uns aus einem ANTI AGING-Modus heraus beständig gegen etwas stemmen, was wir vermeiden oder ängstlich kontrollieren möchten, ist das enorm anstrengend und verursacht emotionalen Stress. Mit weitreichenden Auswirkungen nicht nur auf unsere Psyche, sondern auch auf unseren Körper: Chronischer Stress beeinflusst die Zellalterung, fördert entzündliche Prozesse und wird mit zahlreichen Zivilisationskrankheiten in Zusammenhang gebracht.
Gelingt es uns stattdessen, unsere Emotionen zu regulieren, innere Sicherheit zu entwickeln und in einen WELL AGING-Modus zu wechseln, d.h. uns auf glückliches und gesundes Altern auszurichten, fördern wir Entspannung. Auch das bleibt nicht ohne Wirkung, denn: In einem vegetativ ausbalancierten, entspannten Zustand gelingt es unserem Körper besser, zu regenerieren und den sogenannten ‚Hallmarks of Aging‘ auf Zellebene zu begegnen.
WELL AGING: Ein lohnender Perspektivwechsel
Mittlerweile liegen spannende Forschungsergebnisse vor, die auf eine Verbindung zwischen unserer emotionalen Grundausrichtung und gesunder Langlebigkeit hinweisen, z.B. eine 2002 publizierte, großangelegte Längsschnitt-Studie, die Zusammenhänge zwischen einer positiven Einstellung zum eigenen Altern und einer längeren Lebensdauer aufzeigt.
Die Entwicklung eines WELL AGING-Bewusstseins erfordert in der Regel eine achtsame Wahrnehmungslenkung und Ehrlichkeit mit uns selbst. Sie gelingt nicht, indem wir die rosarote Brille aufsetzen und versuchen, das Altern schönzufärben, sondern indem wir ein Gespür dafür entwickeln, welche Qualitäten wir mit den Lebensjahren hinzugewinnen. Das ist häufig der entscheidende Hebel, über den sich der Blick auf das Älterwerden wandelt.
Dem Leben Sinn geben
Unterstützen können wir diesen mentalen Switch, indem wir unseren ‚inneren Suchscheinwerfer‘ auf die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte richten, die das Leben heute reicher machen. Blicken wir auf diese Weise zurück, werden Zusammenhänge sichtbar. Wir erkennen, was wesentlich ist, unsere Seele berührt und uns wirklich Sinn gibt.
Wenn wir eine klare Wahrnehmung entwickeln, wofür wir stehen, dieses Gefühl von Sinnhaftigkeit und ein tiefes Vertrauen in das Leben entdecken und kultivieren, öffnen sich Türen zu einem entspannteren und erfüllteren Sein. Wir lernen, unsere Gedanken und Emotionen zu führen und uns immer bewusster und feiner im Leben auszurichten.
Das Nervensystem beruhigen
Hilfreich sind auch tägliche Momente des Innehaltens, in denen wir uns bewusst machen, wofür wir gerade dankbar sind. Wir wissen heute: Dankbarkeit hat messbare Effekte auf das Nervensystem, verstärkt das Gefühl von Sicherheit und trainiert unser Gehirn, das Gute wahrzunehmen. Jedes Mal, wenn wir unsere Aufmerksamkeit bewusst auf etwas richten, wofür wir dankbar sind, werden die entsprechenden neuronalen Netzwerke in unserem Gehirn gestärkt. So wird Dankbarkeit mehr und mehr zu einem natürlichen Prozess und es fällt uns immer leichter, neben den Herausforderungen auch die Fülle und das Erreichte in unserem Leben zu erkennen.
Meine Erfahrung ist: Vitalität, emotionale Stabilität und eine heilsame Ausrichtung im Leben sind aufs Engste miteinander verknüpft. Wir können uns dem Thema Gesundheit aus unterschiedlichen Perspektiven nähern, adressieren aber immer ‚das Ganze‘. Wenn wir verstehen, wie körperliche und psychische Gesundheit zusammenwirken, eröffnen sich wertvolle Möglichkeiten der interdisziplinären Zusammenarbeit.